Kanutin Nova Müller beim Einstieg in den See.
7. September 2026

WestLotto Toptalent 2026: Kanutin Nova Müller

Der Kanusport begeistert mit Tempo, Technik und spannenden Wettkämpfen auf dem Wasser. Der Sport wird allerdings häufig nur von einer kleinen Öffentlichkeit wahrgenommen. Für Nova Müller völlig zu UnrechtIm Gespräch mit dem Landessportbund NRW erzählt die 17-jährige Duisburgerin, was sie an ihrem Sport fasziniert und warum er mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Die Nachwuchsathletin gehört zu den WestLotto Toptalenten NRW 2026.

Nova erklär doch mal, wie du dich fühlst, wenn du während eines Wettkampfs im Kanu sitzt. 

Beim Cross ist das ein bisschen wie eine Achterbahn, wenn man gerade am höchsten Punkt ist und nicht weiß, wann es genau weitergeht. Dann gibt es ein Signal und die Rampe klappt runter. Genau darauf wartet man ja die ganze Zeit und ist richtig angespannt. Und dann fällt man einfach und das würde ich mit einer Achterbahn oder einem Free Fall Tower vergleichen. Beim Kanuslalom würde ich sagen, das ist eher so ein Flow-Zustand. Wenn man Pech hat, kommt man nicht in diesen Zustand. Ich glaube, das ist wie beim Tanzen oder Singen, da hat man auch diesen Flow-Zustand, wenn man was macht und darin aufgeht. 

Wann hast du denn das erste Mal in einem Kanu gesessen? 

So richtig mit acht Jahren. Das war in einer Ferienbetreuung, da haben wir angefangen und sind ein bisschen auf dem See rumgefahren. Da wusste ich noch nicht, dass Kanuslalom eigentlich Wildwassersport ist. Aber da auf dem See habe ich das erste Mal im Boot gesessen. 

Was macht den Sport so besonders für dich? 

Der macht mir erst mal richtig dolle Spaß. Die Leute sind toll und es macht Spaß zu trainieren. Ich habe eine tolle Trainingsgruppe und so bin ich natürlich bei dem Sport geblieben. Aber vor allem kombiniert er viele Aspekte. Man hat zum einen die Technik, man braucht aber auch Kraft und Ausdauer. Das finde ich schön, dass man nicht so was Eintöniges hat. 

Dann nimm uns doch mal mit in eine typische Trainingswoche. 

Wir haben meistens immer den gleichen Trainingsplan. Montags fangen wir mit Krafttraining an, und dann wird direkt eine Seeeinheit drangehangen. Meistens fahren wir eine Ausdauereinheit, so eine Stunde bis 90 Minuten auf dem See in einem moderaten, gerade anstrengenden Tempo. Dienstags ist mein trainingsfreier Tag. Am Mittwoch variiert der Trainingsplan meistens. Da machen wir wieder eine Seeeinheit, dann Stabi oder Laufen. Manchmal fahren wir abends noch zur Erft, um bei mehr Strömung zu trainieren. Donnerstags stehen Krafttraining und eine Seeeinheit auf dem Plan. Und freitags gibt es eine Lauf- und Seeeinheit. Am Wochenende fahren wir manchmal, gerade im Sommer, noch an eine minikleine Wildwasserstrecke in NRW, zum Beispiel an die Erft. Oder wir fahren nach Hohenlimburg. 

Das klingt nach einer sehr vollen Woche. Wie schaffst du es trotzdem Sport, Schule, und Freund*innen unter einen Hut zu bekommen? 

Es kommt immer darauf an. In der Schule hat man manchmal entspanntere Wochen, aber wenn ich wirklich viel lernen und Hausaufgaben machen muss, dann gehe ich morgens in die Schule, komme nach Hause, mache Hausaufgaben und esse kurz etwas, bevor ich zum Training gehe. Wenn ich danach nach Hause komme, erledige ich die restlichen Hausaufgaben oder lerne. Den trainingsfreien Tag nutze ich meistens, um mich zu verabreden. 

Und im Winter? Wie sieht da dein Training aus? 

Wie im Sommer, nur in kälter. Wir machen zwar eher Grundlagenausdauer, also längere Einheiten auf dem See, die dann meistens 90 Minuten gehen, aber da haben wir einfach nur wärmere Sachen an. Manchmal müssen wir das Training vom See in die Halle verlagern, wenn der See eingefroren ist. Da haben wir Paddelergometer. 

Kooperation für den Nachwuchs

  • Seit mehr als zehn Jahren fördern WestLotto und der Landesssportbund NRW mit der Topttalente-Aktion Nachwuchssportler und geben ihren teils ungewöhnlichen Sportarten eine Bühne. Mehr unter www.toptalente-nrw.de.

Nova Müller im Video-Porträt

Du hast schon einige Medaillen und Wettkämpfe gewonnen und konntest dir dieses Jahr unter anderem den Vizeeuropameistertitel in Frankreich sichern. Wie fühlt es sich an, mit 17 Jahren zu den erfolgreichsten Nachwuchsathletinnen im Kanusport zu zählen? 

Natürlich bin ich stolz auf meine Erfolge, aber die spielen in meinem Alltag keine große Rolle. Da konzentriere ich mich eher auf meinen Fortschritt und mein Training und auch zukünftige Wettkämpfe. Aber die Erfolge helfen mir schon, wenn ich mal an mir zweifle. 

Auf deinem Instagram-Account gibst du Einblicke in den Kanusport. Auch ins Cross, das 2024 sein Debüt bei den olympischen Spielen in Paris feierte. Erklär doch mal, worin sich Cross vom Slalom unterscheidet. 

Beim Kanuslalom gibt es 18 bis 25 Tore und die darf man alle nicht berühren. Die sind auch sehr schwer, meistens aus Holz. Dann gibt es die Crosstore, das sind sechs Tore pro Strecke. Die sind mit Luft und unten mit Wasser gefüllt und die darf man berühren. Beim Cross gibt es das Time Trial und das Rennen gegen drei andere Athlet*innen. Da gibt es Regeln, dass man die anderen nicht mit dem Paddel berühren oder festhalten darf. Beim Slalom fährt man alleine. Die Grundlage ist anders, aber es geht in beiden Disziplinen darum, dass man am schnellsten runterkommt. Das heißt auch, in der Zeit keine Fehler zu machen. Im Cross gibt es weder eine zwei noch eine 50 Sekunden Strafe, sondern man ist bei Fouls erstmal einfach auf dem letzten Platz. 

Und kannst du sagen, was du lieber von den beiden Disziplinen machst? 

Slalom. Manchmal macht mir Cross richtig Spaß, vor allem wenn ich gegen andere fahre. Es kommt auch immer auf die Strecke an. Cross macht sehr viel Spaß, aber im Allgemeinen würde ich schon Slalom sagen. 

Was würdest du dir generell für deinen Sport wünschen? 

Ich würde mir für den Sport wünschen, dass er mehr an Popularität gewinnt, weil ich finde, das ist so ein schöner Sport. Da kann man schön zugucken. Vor allem auch beim Cross. Da gibt es immer Sachen, die unberechenbar sind, bei denen man nicht so direkt weiß, was jetzt passieren wird. Im Slalom ist es nochmal was anderes, wenn man Laie ist und zuguckt, dann erkennt man manchmal nicht die Unterschiede. Ich würde mir wünschen, dass sich das mehr Leute anschauen und auch vielleicht ein bisschen verstehen würden, was den Sport ausmacht. Es gibt so viele gute Sportarten, die untergehen neben anderen Sportarten und das ist richtig schade. 

Gibt es denn auch etwas, was du persönlich noch mit dem Sport erreichen möchtest? Von welchem Titel träumst du? 

Da gibt es ganz viele. Titel generell zu gewinnen, finde ich cool, weil man dann einfach auch weiß, „Den Titel habe ich jetzt und den kann mir keiner mehr wegnehmen." Aber ich war zum Beispiel noch nie deutsche Meisterin. Und natürlich gibt es dann diese Wünsche, mal Weltmeisterin zu werden oder bei Olympia mitzufahren und da vielleicht auch sehr gut abzuschneiden. 

Du betreibst den Sport seit fast zehn Jahren. Gibt es etwas, das du ohne den Sport nicht gelernt hättest? 

Ich bin sehr perfektionistisch und der Sport hat mir irgendwann gezeigt, wenn man einfach macht und durchzieht und es nicht unbedingt perfekt ist, dass es am meisten was bringt. Diese Konstante bringt mehr als dieser Perfektionismus. Und auch, dass man nicht so hart zu sich selbst sein sollte. 

Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen, das jetzt gerade erst mit dem Sport anfängt? 

Ich würde sagen, „Hab' so viel Spaß wie möglich." Ich glaube, Spaß ist das Wichtigste, was ich mir selbst mit auf den Weg geben würde. Ich merke, wenn ich Spaß habe und mit Spaß trainiere, dann funktioniert das immer und dann geht alles. Und wenn ich dann mal Fehler mache, ist das auch okay. 

Kurzporträt Nova Müller

  • Sportart: Kanuslalom
    Verein: Kanusportverein Duisburg-Wedau
    Trainerin: David Krajnik

  • Erfolge 2026

    EM Silber (K1 Einzel)
    EM Silber (C1 Einzel)
    EM Silber (K1 Mannschaft)
    EM Bronze (C1 Mannschaft)
    WM Silber (K1 Mannschaft)
    WM 4. Platz (K1 Einzel)

  • Erfolge 2025

    EM Bronze (K1 Mannschaft)
    WM 4. Platz (K1 Einzel)
    DM Silber (Kajak Cross Individual}

Westlotto Toptalente NRW

WestLotto Toptalente NRW

Sport ist weit mehr als der Gewinn von Medaillen: Unter diesem Leitgedanken fördern WestLotto und der Landessportbund NRW die WestLotto Toptalente NRW.

Jährlich begleitet die Initiative bis zu acht Nachwuchsathletinnen und -athleten aus unterschiedlichen Sportarten auf ihrem Weg in den Spitzensport und macht sie mit ihren teils unbekannten Sportarten sichtbar. Wir stellen Ihnen die acht Toptalente 2026 im Laufe des Jahres vor.

Das Interview erschien zuerst im Magazin Wir im Sport des Landesssportbund NRW. Fotos: Andrea Bowinkelmann/LSB NRW