13. Juli 2026

WestLotto Toptalent 2026: Flag Footballspielerin Nika Wiesner im Interview

Flag Football ist mittlerweile kein reines amerikanisches Phänomen mehr. Auch hierzulande bekommt die Sportart immer mehr Aufmerksamkeit. Warum Flag Football genauso viel Spaß macht wie American Football, erklärt Flag Footballspielerin Nika Wiesner im Gespräch. Sie gehört zu den WestLotto Toptalenten NRW 2026.

Nika, gibt es gegenüber deiner Sportart Vorurteile? 

Mir wurde schon öfter gesagt, dass es Flag Football nur gibt, damit auch Mädchen spielen können. Außerdem sei es total peinlich, wenn Jungs Flag Football spielen würden. Aber das stimmt einfach nicht. Ich gucke gerne bei meinen Freundinnen und Freunden oder Turnieren zu. Es macht Spaß und ist definitiv auch für Jungs geeignet. 

Stand für dich nie zur Debatte, American Football auszuprobieren? 

Nein. Ich wollte lieber die kontaktfreie Variante. Neben Flag Football mache ich auch viel Sport: Ich fahre Wakeboard, Snowboard und Mountainbike. Bei American Football war mir das Verletzungsrisiko zu hoch. 

Dann erkläre doch mal kurz, was Flag Football von American Football unterscheidet. 

Flag Football ist die kontaktfreie und schnellere Variante von American Football. Es gibt weniger Spieler auf dem Feld und ein Spielzug geht immer so ungefähr sechs Sekunden. Das ist viel schneller als normales Football. Und es findet ohne Körperkontakt statt. 

Es gibt also kein Verletzungsrisiko? 

Es kann schon ordentlich was passieren, aber geplant ist natürlich, dass es ohne Kontakt auskommt. Man darf sich nicht gegenseitig wirklich berühren, aber wenn zum Beispiel der Ball in der Luft ist, dann haben beide sozusagen das Recht, zum Ball zu gehen. Wenn es da zu einem Kontakt kommt, dann ist es kein Foul. Aber wenn jetzt jemand einfach versucht, die Flagge des anderen zu ziehen und ihn oder sie dabei irgendwie stark berührt oder so, dann ist das ein Foul. 

Auch hierzulande bekommt die Sportart immer mehr Aufmerksamkeit. Erzähl doch mal, wie du dazu gekommen bist. 

Tatsächlich durch meine Schule. Viele meiner Freundinnen und Freunde spielen Tackle Football an unserer Schule. Da haben wir eine AG. 2022 war der Mixed-Bereich neu. Meine Freundinnen haben mich gefragt, ob ich nicht mal Lust hätte, mitzukommen. Ich kannte Football schon durch unsere Schule und auch mein Bruder hat gespielt. Und dann habe ich mich einfach in den Sport verliebt. Das hat total viel Spaß gemacht, auch mit meinen Freundinnen. 2022 sind wir Vizemeister bei den Schulmeisterschaften geworden. Danach habe ich einfach immer weitergemacht. 

Mittlerweile spielst du in der Damenmannschaft der Düsseldorf Firecats. Wie bist du denn dort gelandet? 

Wir hatten ein Spiel, das weiß ich noch, da haben mich NRW-Coaches gesehen und zu einem GreenMachine eingeladen. GreenMachine ist unsere NRW-Auswahlmannschaft. Da bin ich hingegangen und es hat total viel Spaß gemacht. Ich bin direkt weitergekommen und ein Trainer der U16 der Düsseldorf Firecats hat mich angesprochen und gefragt, ob ich nicht mal Lust hätte, dort hinzukommen. Vor zwei Jahren bin ich in die U16 im Mixed-Bereich gegangen und konnte dort viele neue Freundinnen und Freunde kennenlernen. Derselbe Trainer hat mich dann gefragt, „Hey, wir bauen gerade eine neue Damenmannschaft auf, hast du da nicht auch Lust drauf?" Im Winter 2024 bin ich zum ersten Mal zum Damentraining gegangen. Das hat mir total viel Spaß gemacht, vor allem mit den netten Mädels, Flag Football zu spielen. Ich spiele jetzt auch nur noch in der Damenmannschaft, weil das sonst einfach zu viel gewesen wäre. 

Wie fühlst du dich damit, bei den Großen mitzuspielen? Du bist ja erst 15. 

Es ist auf jeden Fall schon was anderes, aber ich habe auch viele von meinen Freundinnen dabei. Es gibt auch Mitspielerinnen, die sind noch jünger als ich. Und meine beste Freundin ist auch da. Es macht super viel Spaß. Die Frauen sind total nett, unterstützen uns und wir haben uns super mit denen angefreundet. Manche davon haben uns sogar noch bei der GreenMachine-Auswahlmannschaft trainiert.  

Kooperation für den Nachwuchs

  • Seit mehr als zehn Jahren fördern WestLotto und der Landesssportbund NRW mit der Topttalente-Aktion Nachwuchssportler und geben ihren teils ungewöhnlichen Sportarten eine Bühne. Mehr unter www.toptalente-nrw.de.

Nika Wiesner im Video-Porträt

Du hast schon anklingen lassen, dass du auch noch andere Sportarten gerne machst, aber Flag Football sticht da heraus. Was macht den Sport so besonders für dich? 

Was mir an dem Sport am meisten gefällt, sind neue Connections zu schließen. Ich bin jedes Wochenende weg, in einer anderen Stadt. Wir spielen ganz viele Fun-Turniere und da neue Leute aus anderen Bundesländern und auch Ländern kennenzulernen, das macht so viel Spaß. Der Sport ist so gewachsen in der letzten Zeit. Und das Schnelle, das macht so Bock. Ich liebe, dass ich alles spielen kann, das macht mir Spaß. 

Spielst du auf einer festen Position? 

Ich spiele tatsächlich zwei Positionen. Jetzt gerade bin ich immer Quarterback und Receiver. 

Und welche macht dir davon mehr Spaß? 

Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich würde sagen, gerade in der Damenmannschaft macht mir auf jeden Fall Receiver am meisten Spaß, aber ich bin jetzt auch in der U17-Nationalmannschaft und da würde ich Quarterback sagen. 

Ich kann mir was unter Quarterback vorstellen, aber kannst du mal erklären, was ein Receiver ist? 

Als Receiver läuft man die Routen, die der Quarterback eingibt. Man muss den Ball fangen. Sobald man diesen gefangen hat, versucht man mit irgendwelchen Moves die Defender auszutanzen, um dann in die Endzone zu rennen und einen Touchdown zu machen. 

Die Flag Football WM findet dieses Jahr in Düsseldorf statt. Würdest du dir wünschen, dass der Sport darüber hinaus noch mehr Aufmerksamkeit bekommt? 

Auf jeden Fall! Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Flag Football spiele, werde ich in neun von zehn Fällen darüber ausgefragt, was das denn überhaupt ist. Ich glaube, wir sind auf einem echt guten Weg, die Sportart wächst gerade wirklich sehr.  

Du kannst dir schon einige Erfolge auf die Fahne schreiben. Bist Deutsche Vizemeisterin und Europameisterin geworden. Gibt es etwas, was du mit Flag Football noch erreichen möchtest? 

Mein Plan ist es jetzt erstmal im September die Europameisterschaft mit der U17 in Italien zu holen. In den nächsten Jahren ist mein Ziel auf jeden Fall der Aufstieg in die Nationalmannschaft und dann hoffentlich Olympia 2028. Wenn das nicht klappt, dann auf jeden Fall Olympia 2032. 

Gab es denn auch Momente, in denen du dachtest, jetzt höre ich mit dem Sport auf? 

Nach der ersten Meisterschaft haben mehrere Freundinnen aufgehört und ich dachte mir, „Ja, ich mache das jetzt nur noch zu Ende." Aber dann habe ich einfach weitergemacht. Egal, wie oft man irgendwie niedergeschlagen wird, egal, wie oft man verliert, immer weitermachen. Es macht einfach total Spaß und wenn mein jüngeres Ich sehen würde, wie weit ich jetzt schon gekommen bin. Das ist einfach wunderbar und macht mich so glücklich. 

Was würdest du Menschen mit auf den Weg geben, die mit Flag Football oder einer anderen Sportart anfangen wollen? 

Immer coachable sein, das ist das Wichtigste. Wenn du dem Trainer nicht zuhörst, wenn du nicht versuchst, was zu verbessern, sehen die, du hast da keinen Bock drauf und dann kommst du auch einfach nicht weiter.  

Kurzporträt Nika Wiesner

  • Sportart: Flag Football
    Verein: Firecats Düsseldorf
    Trainerin: Lee Taylor

  • Erfolge 2025
    Europameister U15 Mix
    Firecats U16 NRW Meister
    Firecats Damen Deutscher Vizemeister

  • Erfolge 2024
    NRW Schülermeister mit Desperados

  • Erfolge 2022
    Vizemeister NFL Schülermeisterschaften in München

Westlotto Toptalente NRW

WestLotto Toptalente NRW

Sport ist weit mehr als der Gewinn von Medaillen: Unter diesem Leitgedanken fördern WestLotto und der Landessportbund NRW die WestLotto Toptalente NRW.

Jährlich begleitet die Initiative bis zu acht Nachwuchsathletinnen und -athleten aus unterschiedlichen Sportarten auf ihrem Weg in den Spitzensport und macht sie mit ihren teils unbekannten Sportarten sichtbar. Wir stellen Ihnen die acht Toptalente 2026 im Laufe des Jahres vor.

Das Interview erschien zuerst im Magazin Wir im Sport des Landesssportbund NRW. Fotos: Andrea Bowinkelmann/LSB NRW