12. November 2021

„Optimistischer als ich kann man nicht sein“

Regisseur Markus Gehrmann hat seine Masterarbeit bei WestLotto gedreht. Entstanden ist ein Film über Träume, Erwartungen, Pessimisten, Optimisten und Lottoglück. Im Interview erzählt Gehrmann, warum er sich ausgerechnet diese Themen ausgesucht hat. (Direkt zum Film geht es hier.)

Als Filmstudent haben Sie einen Projektpartner für Ihren Abschlussfilm im Rahmen der Masterarbeit gesucht. Wie sind Sie auf WestLotto gekommen?

Ich habe tatsächlich von Anfang an nach einer großen Lotterie gesucht. Glücksspiel war immer schon ein Thema, dass mich interessiert hat. Insbesondere Lotto hat mich interessiert: Mein Opa hat früher immer Lotto gespielt und ich habe mitbekommen, wie ihn das Erlebnis glücklich gemacht hat. Er hat das einfach gerne gemacht. Das regelmäßige Spielen hat ihm Struktur gegeben. Mein Vater hat später seine Zahlen übernommen. Das kenne ich auch aus anderen Familien so. Und so war Lottospielen, das anders als Spielhallen oder Ähnliches ja nicht mit einem erhöhten Suchtfaktor verbunden ist, für mich immer etwas zugleich ganz Normales und sehr Spannendes.

Was glauben Sie, macht die Faszination Lotto aus?

Lottospielen ist wie eine kleine Flucht aus dem Alltag. Die Menschen können Träumen und ein- oder zweimal in der Woche warten sie dann auf die Zahlen und das, was vielleicht passiert. Ich glaube, die Menschen streben nach Erwartungen. Und dieses Warten beim Lottospiel etwa steht komplett im Gegensatz zur heute sonst so üblichen Instagramification. Dabei empfinden die Menschen das Gefühl einer unmittelbaren Belohnung, wenn sie auf dem Smartphone direkt sehen können, wenn jemand ihren Post mit einem Like markiert hat. Das ist Lottospielen eben ganz anders. Da muss ich erstmal warten.

       

Sie sind auf Werbefilme spezialisiert, mit denen Sie ganz eigene, oft überraschende Geschichten erzählen. Was macht diese Arbeit für Sie aus?

Mich fasziniert der Gedanke, in kurzer Zeit Geschichten zu erzählen und Charaktere aufzubauen. Ziel ist es, in kürzester Zeit mit den Protagonisten auf eine gemeinsame Reise zu gehen. Dabei möchte ich auch bewusst mit Erwartungen brechen. Denn wenn etwas erwartbar wird, nimmt das Interesse ab. So war auch der WestLotto-Film von Beginn an angelegt und ich konnte mich dann auch komplett kreativ und frei ausleben.

Das Ganze ist ihre Masterarbeit. Haben Sie das Ganze dann allein schaffen müssen oder gab es ein Team?

Das Team war verhältnismäßig tatsächlich sehr klein. Es gab mich als Regisseur und einen Assistenten, den Kameramann und seinen Assistenten, dann Oberbeleuchter und Beleuchter sowie einen Setdesigner und einen Runner, sozusagen ein Allrounder für alle anfallenden Aufgaben. Auch das Casting der Schauspieler habe ich komplett selbst gemacht. Dabei hatte ich aber auch von Beginn an meine Protagonisten im Kopf und wusste, wie alt sie sein sollen.

In Ihrem Film treffen gnadenlose Pessimisten auf Optimisten – die dann am Ende sozusagen auch auf der richtigen Seite stehen. Sind sie selbst Pessimist oder Optimist?

Ich bin purer Optimist. Optimistischer als ich kann man nicht sein. Es ist zwar einfacher pessimistisch als optimistisch zu sein und irgendwie ist das auch sehr deutsch. Bei vielen Freunden oder auch in der Familie nehme ich oft einen gewissen Grundpessimismus wahr. Der wirkt dann fast ganz natürlich. Aber dadurch gehen so viele Dinge verloren. Pessimisten sehen Probleme oft größer als sie sind und halten Optimisten für naiv. Pessimisten hängen sich an der Problemstellung auf. Ich denke immer: Wie können wir das lösen? Auch bei meiner Arbeit als Regisseur bin ich total lösungsorientiert. Auch das bedeutet für mich optimistisch zu sein.

Sind Sie ein Träumer?

Jeder Regisseur muss ein Träumer sein. Schon als Kind habe ich unheimlich viel gelesen und habe deshalb eine sehr reiche Bilderwelt im Kopf. Das überträgt sich auf meine Filme. Ich habe direkt die Bilder zu einer Szene im Kopf. Diese reiche Bilderwelt macht es sehr einfach zu träumen, glaube ich.

Und wovon träumen Sie als Regisseur?

Ich möchte unbedingt eine Komödie drehen. Deutsche Komödien sind sich häufig sehr ähnlich. Man liest nur die die Konstellation des Films und weiß direkt, wo die Pointen liegen. In zwei bis drei Jahren möchte ich gerne meine eigene Komödie umsetzen.

Regisseur Markus Gehrmann  hat an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover studiert. Der Film über WestLotto ist seine Masterarbeit. Den Film und weitere Infos finden Sie hier.