19. Mai 2026

„Viele merken gar nicht, dass sie schon ehrenamtlich aktiv sind“

Jana Schiffers ist eine von vier jungen Menschen, die im Rahmen ihres Freiwilligendienstes Teil der Initiative Junges Ehrenamt für NRW sind. Ziel der Initiative ist es, Konzepte und Maßnahmen für gemeinnützige Organisationen zu entwickeln, mit denen sie junge Menschen für ein Ehrenamt gewinnen und langfristig halten können. Ein Gespräch über überraschende Erkenntnisse, Vorbehalte und die Frage, warum Ehrenamt manchmal gar nicht als solches wahrgenommen wird.

Die Initiative Junges Ehrenamt NRW ist im September 2025 gestartet. Gemeinsam mit den Freiwilligendienstleistenden Iveen Sulaiman, Yannic Dötsch und Hannah Nolden bauen Sie die Initiative aktuell weiter auf. Wie sind Sie eigentlich zu diesem ungewöhnlichen FSJ gekommen?

Ehrlich gesagt bin ich nicht primär über das Thema Ehrenamt zur Initiative gekommen. Ich wollte nach dem Abi und vor dem Studium noch etwas anderes machen vorzugsweise im Bereich Sport und habe über das Stellenportal der Sportjugend diese Stelle gefunden. Mich hat dabei dieser übergeordnete, forschende Ansatz gereizt. Sozusagen von oben auf das Thema Ehrenamt zu schauen.

Wo haben Sie als erste Akteurinnen und Akteure der Initiative eigentlich praktisch angefangen?

Unser erster Arbeitstag war schon mal sehr ungewöhnlich. Er startete mit einem Besuch bei der Staatsekretärin für Sport und Ehrenamt Andrea Milz. Eine Woche später hatten wir ein dreitägiges Kickoff bei WestLotto, bei dem wir uns untereinander besser kennengelernt haben. Unser Team wird von einer Projektleiterin unterstützt. Unter ihrer Moderation haben wir erste Eindrücke und Erwartungen besprochen im Sinne: Was wollen wir in dem Jahr erreichen?  Was erwarten andere von uns? Daran haben wir dann gearbeitet und uns parallel ein solides Grundwissen zum Ehrenamt aufgebaut.

Was ist aus den ersten Überlegungen konkret geworden?

Wir haben unter anderem ein Netzwerktreffen organisiert mit jungen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen des Ehrenamtes. Wir wollten herausfinden, was sie bewegt, wo sie Hürden erleben, wie einfach oder schwer es ist, ein passendes Ehrenamt für sich zu finden. Außerdem haben wir Interviews mit Landtagsabgeordneten zum politischen Ehrenamt geführt. Die Gespräche waren auch wichtig, um Kontakte zu Entscheidern und Multiplikatoren zu knüpfen. Zudem haben wir direkt zu Beginn eine Online-Umfrage unter jungen Menschen entwickelt, um eine möglichst breit gefächerte Perspektive auf Erfahrungen und Beweggründe zu bekommen.

Können Sie schon erste Ergebnisse nennen?

Wir haben die Umfrage vor ein paar Monaten gestartet und beginnen aktuell mit der Auswertung. Was wir schon sagen können: Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren ist bei jungen Menschen da. Allerdings ist das Image des Ehrenamts ein Problem. Viele junge Leute assoziieren Ehrenamt mit alten Menschen. Von denen fühlen sie sich teilweise nicht ernst genommen oder wirklich integriert. Außerdem empfinden sie das Verhältnis von Aufwand und Entschädigung häufig als nicht wertschätzend. Und die zeitliche Vereinbarkeit von Schule oder Studium ist für viele eine echte Hürde. Klausurzeiten lassen sich eben schlecht mit festen Verpflichtungen kombinieren.

Wie geht es weiter?

Wir müssen die Umfrage noch vollständig auswerten. Aus dem Ergebnissen möchten wir erste Handlungsempfehlungen formulieren für Organisationen, die auf die Arbeit von Ehrenamtlichen angewiesen sind. Uns ist es wichtig, auch kleine Vereine oder Verbände zu erreichen, denn die sind auf die Unterstützung durch Ehrenamtler besonders angewiesen. Wenn sie wissen, was junge Menschen anspricht oder was sie brauchen, dann profitieren gerade sie davon.

Im September übergeben wir das Projekt an neue Freiwilligendienstleistende. Wenn im ersten Jahr vor allem die Analyse und der Kontaktausbau im Mittelpunkt standen, wird es im zweiten Jahr darum gehen, unsere Empfehlungen in die Praxis zu übertragen. Im Sinne: Wie lässt sich das Image von Ehrenamt verändern? Wie können Angebote für junge Ehrenamtliche so gestaltet werden, dass sie zu ihrer Lebenswelt passen?

Hat Sie bei Ihrer Arbeit irgend etwas besonders überrascht?

Positiv überrascht hat mich auf jeden Fall, wie vielfältig Ehrenamt eigentlich ist. Mir war vorher gar nicht bewusst, in wie vielen Bereichen Menschen aktiv sind und wie unterschiedlich Engagement aussehen kann. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie schwierig es teilweise ist, Menschen überhaupt für das Thema zu erreichen. Viele engagieren sich längst im Sportverein, in der Schule oder bei einzelnen Aktionen. Sie sehen das aber selbst gar nicht als Ehrenamt. Es ist einfach das, was sie nebenbei machen. Ich glaube, deshalb beschäftigen sich viele gar nicht so stark mit dem großen Thema Ehrenamt, obwohl sie eigentlich längst Teil davon sind

Warum lohnt es sich aus Ihrer ganz persönlichen Sicht, ein Ehrenamt auszuüben?

Ich würde sagen, dass ich mich in den letzten acht Monaten wahrscheinlich mehr weiterentwickelt habe als vielleicht in den drei Jahren davor. Auch wenn das vielleicht ein wenig übertrieben klingt – man lernt so viele neue Menschen kennen, die man sonst nie getroffen hätte, und macht super viele neue Erfahrungen. Und das Ganze auch noch in einem Bereich, der einen selbst inhaltlich interessiert.

Umfrage – jetzt mitmachen!

Jana Schiffers hat mit den anderen FSJlern aus der Initiative eine Umfrage unter jungen Menschen gestartet. Alle, die zwischen 18 und 29 Jahre alt sind und sich fürs Thema interessieren können bis zum 23. Mai teilnehmen!

Über die Initiative Junges Ehrenamt für NRW

Die Initiative Junges Ehrenamt für NRW unterstützt gezielt die Nachwuchssuche im Ehrenamt und ermöglicht jungen Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei Partnerorganisationen in NRW. Beteiligt sind die Ehrenamt Agentur Essen / lagfa NRW, die Sportjugend NRW, youngcaritas im Erzbistum Paderborn sowie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (Freiwilliges Ökologisches Jahr). Initiiert wurde das Projekt vom durch die Staatskanzlei geförderten NBE NRW und ermöglicht durch WestLotto.

Mit der Themenwoche Ehrenamt beteiligt sich WestLotto am bundesweiten Ehrentag am 23. Mai. Alle Infos hier.

WestLotto Themenwoche Ehrenamt bei der Initiative Ehrentag dabei