8. Mai 2026
„Genau solche Impulse helfen uns“
Spieler- und Jugendschutz bei WestLotto basiert auf einem Vier-Säulenkonzept. Eine davon: Forschung. Was dahinter steckt und wie Westlotto wissenschaftliche Erkenntnisse für zeitgemäßen Spieler- und Jugendschutz nutzt, erklärt Ron Schindler, Beauftragter für Responsible Gaming, im Interview.
WestLotto setzt sich seit Jahren intensiv mit der Glücksspielforschung auseinander und fördert diese. Wie sieht dieses Engagement aus und welche Ziele verfolgen Sie damit?
Wissenschaft und Forschung sind wichtige Grundlagen unserer Arbeit. Wir sind präsent auf Fachkongressen und Veranstaltungen und gestalten den Diskurs aktiv mit. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung des unabhängig forschenden Instituts für Glücksspiel und Gesellschaft GLÜG. Ergänzend dazu suchen wir bewusst den Austausch mit unterschiedlichen Akteuren aus Wissenschaft, Prävention und Regulierung, um neue Erkenntnisse frühzeitig aufzugreifen und für unsere Praxis nutzbar zu machen.
Diese Erkenntnisse betten wir in ein Gesamtkonzept ein, das auf ein sicheres, transparentes und verantwortungsvolles Spielumfeld im legalen Markt ausgerichtet ist. Damit einher geht auch der konstruktive Diskurs mit anderen Glücksspielformen und ein offener, aber differenzierter Ansatz allen legalen Anbietern gegenüber. Genauso offen sind wir übrigens auch Forschungen gegenüber, die nicht zwingend aus enger Glücksspielforschung oder gar aus speziell beauftragter Forschung entstehen.
Haben Sie ein Beispiel?
Entscheidend ist die Qualität der Analyse und ihre Anschlussfähigkeit. Gerade im Responsible‑Gaming‑Kontext profitieren wir besonders von Arbeiten, die grundlegende Mechanismen menschlichen Entscheidens untersuchen und sich auf unterschiedliche Kontexte übertragen lassen. Ein Beispiel dafür ist die kürzlich mit dem Nachwuchspreis der Deutschen Stiftung Glücksspielforschung in München ausgezeichnete Arbeit.
Den Preis erhielt Dr. Sebastian O. Schneider, Leiter der Forschungsgruppe „Verhaltensökonomie und Datenwissenschaft“ am Max-Planck-Institut in Bonn, für seine Forschungsarbeit zu Risikobereitschaft und Verhalten. Was können Sie aus solchen „fachfremden“ Arbeiten ableiten?
Die ausgezeichnete Arbeit setzt nicht beim Glücksspiel an, liefert aber belastbare Erkenntnisse zu Risikoverhalten. Damit ist sie für die Ausgestaltung eines zielführenden Responsible Gaming-Ansatzes unmittelbar relevant. Genau solche Impulse helfen uns, bestehende Ansätze weiter zu präzisieren und zu prüfen, ob die Balance zwischen Information und Schutz noch stimmt. Unser Ziel ist es, Forschung als Orientierung zu nutzen – nicht um Grundsätzliches infrage zu stellen, sondern um Maßnahmen kontinuierlich weiterzuentwickeln und verhältnismäßig auszugestalten.
Welches waren für Sie die wichtigsten Punkte in der Preisträgerarbeit?
Die Arbeit zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Risiken umgehen. Entscheidungen unter Risiko sind nicht per se irrational oder problematisch. Gleichzeitig wissen wir, dass sich problematisches Spielverhalten schrittweise entwickeln kann. Entscheidend ist deshalb, Veränderungen zu erkennen und dort gezielt anzusetzen.
Daraus leite ich für mich ab: Responsible Gaming heißt in erster Linie, Menschen so zu informieren, dass sie Risiken verstehen und eigenverantwortlich einordnen können. Schutzmaßnahmen sind notwendig, aber sie sollten zielgerichtet, verhältnismäßig und am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet sein – nicht pauschal für alle in gleicher Form. Entscheidend ist, dass sie dort ansetzen, wo tatsächlich Bedarf besteht.

Ron Schindler, Beauftragter für Responsible Gaming bei WestLotto