25. September 2026

„Ein Riesenevent und so imposant“

Das Bekenntnis für Olympia in Nordrhein-Westfalen war in luftiger Höhe weithin zu sehen: Anlässlich des Alumni-Events von Sportstiftung NRW und WestLotto haben ehemalige Topathletinnen und Topathleten ein Banner an der Müngstener Brücke entrollt: „Die größte Bühne für die größten Momente. KölnRheinRuhr 2036, 2040, 2044“. Mit dabei: Die ehemalige Ruderin Mareike Adams. In unserem Newsroom-Interview erklärt sie die Faszination Olympia. Sie spricht über große Bilder, schwierige Entscheidungen, die Menschen und Unterstützer, die ihre Karriere möglich gemacht haben – und was ihr gefehlt hat. 

Sie haben im Ruder-Doppelzweier an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilgenommen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?  

Mareike Adams: Es war ein Riesenevent und so imposant, dass ich mich bis heute gut daran erinnern kann. Wir denken, eine Weltmeisterschaft ist riesig. Die Olympischen Spiele sind aber sowas wie die Weltmeisterschaft aller Sportarten gleichzeitig. Das Olympische Dorf war eine kleine Stadt, in der nur Athletinnen, Athleten und Betreuende lebten. Das Versorgungszelt war so groß wie drei Fußballplätze, und man konnte rund um die Uhr alles essen: um acht Uhr abends Frühstück und um vier Uhr morgens ein warmes Mittagessen. Und dann sind da überall berühmte Sportlerinnen und Sportler, die viele von uns nur aus dem Fernsehen kannten. Gleichzeitig waren so viele deutsche Fans nach Rio gereist, um uns zu unterstützen. Meine ganze Familie war da, mein Heimtrainer und auch eine Freundin. Auf der Strecke zu sein und nach dem Rennen bekannte Gesichter auf der Tribüne zu entdecken, das ist ein unbeschreibliches Gefühl.  

Sie waren damals 26 Jahre alt. Hat Sie die Besonderheit des Events nervös gemacht?  

Ich glaube, ich war gut vorbereitet. Ich hatte mit einer Sportpsychologin zusammengearbeitet und versucht, mir die Olympischen Spiele möglichst kleinzureden: Es ist ein Wettkampf wie jeder anderen, nur dass vorn und hinten die Ringe stehen.  

Sie hatten mit ihrer Ruderpartnerin im selben Jahr Silber bei den Europameisterschaften gewonnen. Bei Olympia war es Rang 7…  

Die Vorgeschichte war schwierig. Ich hatte mit meiner damaligen Partnerin im Vorjahr Bronze bei der WM geholt. Wir waren also ein sehr guter Zweier.  Allerdings nahm sie bei den Olympischen Spielen einen Rollsitz im Doppelvierer ein, was für mich bedeutete, dass ich acht Woche vor den Spielen eine neue Partnerin bekam. Im Rückblick war der siebte Platz eine enorme Leistung. Normalerweise kann man einen Doppelzweier in acht Wochen nicht so einfahren, dass er mit der Weltklasse mithält. Ich war erst enttäuscht über unsere Platzierung. Heute allerdings bin ich stolz auf das, was wir unter diesen Voraussetzungen geschafft haben.   

Andreas Kötter, Sprecher der Geschäftsführer WestLotto

Olympische Spiele können eine ganze Region begeistern und Menschen für die Vielfalt des Sports gewinnen.

Mareike Adams

Wer hat Sie auf dem Weg durch Ihre Sportkarriere besonders unterstützt?  

Meine Eltern. Sie haben mich die ganze Zeit begleitet und alles möglich gemacht. Darunter fallen Fahrten zum Training und zu einigen Regatten. In der Abiturzeit haben sie mir einen Ergometer gekauft, damit ich zuhause trainieren konnte und mehr Zeit zum Lernen hatte. Als ich in Essen studierte, kamen sie zu jeder Regatta, damit wir uns wenigstens sehen konnten. Sie haben mir eine starke emotionale Sicherheit gegeben. Aber auch mein Trainer Oliver Kampmeier war, vor allem in der vorolympischen Zeit neben seiner Trainingssteuerung, emotional wichtig für mich. Er war der Ruhepol, zu dem ich immer gehen konnte. Ich wusste, egal, was passiert, er steht hinter mir und weist mir die richtige Richtung. Ohne sein Verständnis und seine individuelle Steuerung wäre ich nicht so weit gekommen.  

Und wer war finanziell für Sie da? 

Im Grunde auch meine Eltern. Da ich viel Doppelzweier gefahren bin und in dieser Disziplin die Medaillen auf Grund des großen Startfeldes hart umkämpft sind, konnte ich mich durch die Sporthilfe nur acht Monate selbst finanzieren. Allerdings war die Sporthilfe eine unheimliche Unterstützung, die in der ganzen Zeit an meiner Seite stand und so meine Eltern mich nicht voll finanzieren mussten. Vor und nach den Olympischen Spielen bin ich außerdem vom Förderkreis meines Vereins finanziell unterstützt worden. Das Polster war für die Zeit danach enorm wichtig, weil man nicht abgesichert ist. Man fällt aus dem Kader, hat aber sein Studium noch nicht beendet und ist damit noch nicht im Beruf angekommen.  

Was hat Ihnen auf Ihrem Weg gefehlt?  

Individuelle Lösungen von Verbandsseite. Ich war bewusst nicht in der Sportförderung der Bundeswehr oder der Polizei, um selbstbestimmte Entscheidungen treffen zu können. Neben dem Sport studierte ich Mathe und Sport auf gymnasiales Lehramt. Das war wichtig, um mir nach der Karriere ein Standbein aufzubauen, aber auch, um mich während dieser Zeit mit etwas anderem beschäftigen zu können. Zu meiner Zeit gab es jedoch nur einen Masterplan, der über alle Sportlerinnen und Sportler gelegt wurde. Persönliche Lebenswege spielten zu wenig eine Rolle. Leistungssportlerinnen und -sportler starten zudem sehr spät in den Beruf. Ich habe mit 30 Jahren mein Referendariat begonnen. Die gesamte Sportzeit über konnte ich nicht in die Rentenkasse einzahlen oder etwas zurücklegen, weil ich alles in den Sport gesteckt habe.  

Sie gehören dem Alumni-Netzwerk der Sportstiftung NRW an. Was bedeutet Ihnen dieses Netzwerk? 

Ich habe viele Kontakte schließen können. Vor allem trifft man interessante Menschen, lernt neue Denk- und Sichtweisen kennen. Das erweitert den eigenen Horizont enorm. Ich mag den Austausch mit Menschen, die eine ähnliche Sportvergangenheit besitzen, und aus ganz unterschiedlichen Sportarten kommen. Mich interessiert, welche Wege sie gegangen sind. Unsere jährlichen Treffen sind immer extrem lebendig und inspirierend.  

KölnRheinRuhr bewirbt sich um die Olympischen Spiele 2036. Was spricht aus Ihrer Sicht für die Region?  

Hier leben viele sportbegeisterte Menschen, und wir haben zahlreiche Sportstätten, die genutzt werden können, ohne das viel neu gebaut werden müsste. Köln, das Rheinland und das Ruhrgebiet liegen außerdem nah beieinander. Wenn im Zuge der Spiele die mobile Infrastruktur weiter ausgebaut wird, wäre das danach auch ein Gewinn für die Menschen in der Region. Wir haben außerdem ein faires, begeisterungsfähiges Publikum und viele engagierte Vereine. Das Ehrenamt spielt bei den großen Sportveranstaltungen schon heute eine wichtige Rolle in der Region. Deshalb könnten wir sicher viele Volunteers gewinnen, die die Athletinnen und Athleten unterstützen. Ich glaube, wir sind die Region, die eine herzliche Willkommenskultur schafft für all die Menschen aus anderen Nationen.  

Spricht auch etwas gegen eine Olympiabewerbung?

Ich habe vor Kurzem das Buch „Putins Olygarch" gelesen. Darin geht es unter anderem um Korruption im IOC. Danach habe ich mich gefragt, inwiefern Deutschland überhaupt eine realistische Chance auf den Zuschlag hat. Mein Herz schlägt für Olympische Spiele in KölnRheinRuhr. Aber ich hoffe, dass nicht zu viel Energie in eine Bewerbung fließt, wenn die Wahl am Ende längst entschieden ist. Andererseits, wenn wir es nicht probieren, werden wir nie wissen, ob es geklappt hätte. Das ist wie im Sport. Ich finde es gut, dass die Bewerbung vom Land unterstützt wird. Olympische Spiele können eine ganze Region begeistern und Menschen für die Vielfalt des Sports gewinnen. Das hat man in Paris gesehen und auch bei den FISU World University Games unter anderem in Essen.  

  • Mehr zum Alumni-Netzwerk und den jährlichen Events von Sportstiftung NRW und WestLotto lesen Sie hier.

Mareike Adams begann im Alter von elf Jahren mit dem Rudern. In ihrer Karriere als Spitzensportlerin legte sie tausende Kilometer auf dem Wasser zurück und gewann zahlreiche internationale Medaillen. 2016 nahm sie an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil. Die heute 36-Jährige besitzt immer noch ein eigenes Ruderboot, genießt inzwischen aber vor allem andere Sportarten wie Rennrad fahren, Laufen, Ski fahren oder Beach Volleyball. Wenn sie keinen Sport macht, unterrichtet die gebürtige Wetzlarerin an einem Gymnasium in Essen: Mathematik und, wer hätte es gedacht: Sport. Zudem ist sie Alumni im Netzwerk der Sportstiftung NRW. 

Foto: privat